Gefährlich unterbezahlt

Die Beschäftigten der Kampfmittelräumdienste leisten einen lebensgefährlichen Dienst. Sie entschärfen und sichern Altlasten überwiegend aus dem Zweiten Weltkrieg. Allein in diesem Jahr haben die Hamburger Sprengmeister und Entschärfer über ein Dutzend schwere Fliegerbomben unschädlich gemacht. Ein Ortsbesuch in der Hansestadt.

Text: Jörg Meyer
Fotos: Jan Brenner

Ein Waldstück am Rande Hamburgs, Vögel zwitschern, Insekten summen durch das dichte Grün, es ist ein herrlicher Sommertag im Juli. Von außen sieht man nicht, welche tödlichen Altlasten hier unter Birken und Buchen liegen. Wir stehen vor einem flachen, überwucherten Bau mit schräg nach außen stehenden Seitenwänden. Schwere Doppeltüren aus Stahl versperren den Zugang. „Das ist unser Bunker“, sagt André Kowalzik, den Schlüssel in der Hand. Hier lagern entschärfte Sprengbomben, Zünder, Granaten und Minen, der größte Teil „Kampfmittel“ aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Begriff bezeichnet industriell hergestellte Munition, im Gegensatz zu beispielsweise illegalen Böllern, dafür ist die Polizei zuständig. Um Kampfmittel kümmern sich die Kampfmittelräumdienste. Wir sehen die Funde des Kampfmittelräumdienstes (KRD) der Hamburger Feuerwehr aus dem Jahr 2017. Wegen der Baubooms werden so viele Bomben und Granaten gefunden wie lange nicht mehr, besonders in den südlichen Stadtteilen und um den Hafen.

André Kowalzik, der uns herumführt, ist Entschärfer und Chef der Taucher beim KRD. Die Zünder der Bomben liegen in einem verschlossenen Metallschrank, die Waffen sind entschärft, doch der Sprengstoff ist noch da, verbirgt sich in den verrosteten oder mit einer Erdschicht überzogenen riesigen Stahlkörpern, die hier, mit Holzkeilen gegen das Wegrollen gesichert, auf Paletten lagern und auf ihren Abtransport warten. Doch das kann dauern. „Wir können die Bomben nicht einfach wegfahren, sondern müssen gucken, dass der Haushalt das auch hergibt“, erklärt Kowalzik und zeigt auf einen der Brocken. Eine 250-lb-Bombe (1 lb = rund 0,4 Kilogramm) zu vernichten kostet rund 4 000 Euro. In der Regel werden die Bomben ins niedersächsische Munster gefahren und dort bei der „Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungs-Altlasten“ in Scheiben geschnitten und verbrannt. Verbrannt? „Ja, verbrannt. Der Sprengstoff brennt bei rund 1 000 Grad, aber den zur Explosion zu bringen, kostet einiges mehr an Energie“, sagt Kowalzik. Ihn, den Profi im Umgang mit Bomben und Granaten, bringt so leicht nichts aus der Ruhe, während der Reporter unruhig auf die Altlasten blickt und diesen Raum bald wieder verlassen möchte. Ein schwerer, scharfer Geruch macht sich bald bemerkbar, wie Ammoniak. Das ist das TNT.

André Kowalzik beim Sprengplatz. Hier können bis zu zwei Kilogramm TNT kontrolliert gesprengt werden.

Kontrollierte 
Zerstörungskraft

Ein Stück weiter hinten auf dem Areal der Anlage liegt der Sprengplatz – ein mit Holz gestützter Bunker von knapp 15 Quadratmetern unter mehreren Metern Erde. In der Mitte das Erdreich: wie dreimal umgedreht; das Holz an Decken und Wänden: von Splittereinschlägen übersät. „Das Holz sorgt dafür, dass die Splitter nicht unkontrolliert durch die Luft fliegen.“ Auch die Kasematten sind aus dem Grund verwinkelt gebaut, die Energie der Druckwelle soll entweichen können, die Splitter aber nicht. „Bis zu zwei Kilogramm Sprengstoff können wir hier zünden“, erzählt Entschärfer Kowalzik. Die größte in diesem Jahr in Hamburg gefundene Fliegerbombe wog 1 000 Kilogramm.

Über 107  000 Sprengbomben, 300  000 Phosphorbrandbomben und
3  000  000 Stabbrandbomben INC 4Lbs warfen alliierte Bomberstaffeln im Krieg gegen Nazideutschland allein über der Hansestadt ab, nach groben Schätzungen sind zehn bis 15 Prozent davon Blindgänger. Wie viel noch im Hamburger Boden liegt, ist nicht wirklich zu beziffern, der Hamburger KRD spricht von rund 2 900 großen Sprengbomben. Klar ist nur, dass besonders 
die Langzeitzünder nach über 70 Jahren immer gefährlicher, immer instabiler werden.

Idyll im Grünen mit gefährlicher Altlast

Nicht nur die Druckwelle, auch die Splitter sind tödlich. Dass der Kriegsschrott eine lebensgefährliche Altlast ist, wurde Anfang August in Hamburg wieder deutlich: Medien berichteten, dass Arbeiter mit einer Baumaschine über einen metallenen Gegenstand fuhren. Kurz darauf: Flammen und dichter weißer Rauch aus dem Boden. Es handelte sich um eine 15 Kilogramm schwere Phosphorbrandbombe, die über 70 Jahre nach Kriegsende beim Kontakt mit Sauerstoff wieder zu brennen anfing. Weißer Phosphor setzt beim Abbrennen hochgiftige Dämpfe frei. Ein Arbeiter und fünf Feuerwehrleute landeten mit Verdacht auf Vergiftung im Krankenhaus. Kowalziks Kollege, Sprengmeister Herrmann Borelli, barg die Bombe und sicherte sie in einem Spezialfass. Beinahe jeden Tag liest man über die Einsätze der Hamburger Spezialisten in 
der Presse.

Aufwendige Ausbildung

Drei Sprengmeister, fünf Entschärfer, ein Techniker arbeiten beim Hamburger Kampfmittelräumdienst. Dazu kommt ein Auszubildender. Der Job ist lebensgefährlich, deshalb geht es für Kowalzik darum, das Risiko kalkulierbar zu machen. Dabei helfen ihm seine Ausbildungen und die lange Erfahrung. Zehn Jahre war der 37-jährige Minentaucher bei der Bundeswehr, hat Auslandseinsätze absolviert und unzählige Fortbildungen hinter sich; zum Berufstaucher, zum Sprengmeister, zum Feuerwerker. Zur Bundeswehr sei er gegangen, weil er nach seiner ersten Ausbildung zum Maurer schnell gemerkt hat, dass das nicht seine berufliche Zukunft sein wird. „Mit neun habe ich mit dem Tauchen angefangen, das Wasser war immer mein Element. Durch die Bundeswehr bin ich im Jahr 2000 an die Küste gekommen und hier hängengeblieben. Bundesweit Lehrgänge, Seefahrten mit bis zu sechs Monaten Abwesenheit, Einsätze im Ausland“, sagt der verheiratete Vater von drei Kindern. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war da nicht machbar.“ Zum Kampfmittelräumdienst habe er schließlich im Jahr 2010 gewechselt. Ob ihm der Job beim KRD nicht zu gefährlich sei? „Ein Restrisiko gibt es immer, man kann ja in die Bombe nicht reinsehen, besonders 
bei Langzeitzündern.“

Info: Warum Langzeitzünder so gefährlich sind.

Bomben mit Langzeitzündern sind mit das Ge­fährlichste, mit dem die Kampfmittelräumdiens­te zu tun haben. André Kowalzik erklärt, wie sie funktionieren:

Querschnitt durch zwei verschiedene Langzeitzünder

Der Zünder sitzt in der Bombe, daran ein Windrad als Sicherung. Wird die Bom­be aus dem Flugzeug geworfen, dreht das Wind­rad, getrieben vom Luftdruck, eine Welle in den Korpus und zerdrückt die kleine mit Aceton ge­ füllte Ampulle. Das auslaufende Aceton zersetzt eine Kunststoffscheibe, die den federvorge­ spannten Schlagbolzen festhält. Ohne die Kunst­stoffscheibe schnellt der Schlagbolzen auf den Detonator, dieser zündet die Vorladung und die freiwerdende Energie zündet die Hauptladung. Die Bombe explodiert. Wird dieser Prozess unter­brochen oder die Ampulle geht nicht kaputt, wird die Bombe zum Blindgänger. Was diese Alt­lasten so gefährlich macht, ist, dass die Kunst­stoffscheibe nach über 70 Jahren sehr porös ist. Kleinste Bewegungen der Bombe, wie der Kon­takt mit einem Baggerkorb, können zur Explosi­on führen.

Im Jahr 2010 starben in Göttingen drei erfahrene Sprengmeister, mehrere Personen wurden durch Splitter schwer verletzt, als eine Bombe während der Vorbereitungen zur Entschärfung plötzlich explodierte – es war ein Langzeitzünder. Ein Bombensplitter durchschlug das Dach eines Wohnhauses in 700 Meter Entfernung. „Seitdem werden Bomben möglichst vor Ort entschärft oder gesprengt“, wird Kowalziks Chef, KRD-Leiter Peter Bodes, später in der Dienststelle sagen. Angst dürfe man keine haben, meint Kowalzik, dann müsse man aufhören. „Wer Angst hat macht Fehler, und das Prinzip‚ ,aus seinen Fehlern lernen‘, gilt bei uns nicht“, sagt Kowalzik. Er meint das kein bisschen lustig.

Wenn eine Bombe tief unter der Erde gefunden wird, gräbt eine Spezialfirma einen Schacht, der sich oft mit Grundwasser füllt. Der Taucher Kowalzik steigt dann in die undurchsichtige Brühe und muss ertasten, ob es sich um einen Blindgänger handelt oder beispielsweise um einen alten Boiler, was es für eine Bombe ist und welcher Zündertyp verbaut ist. „Da muss ich mir 100-prozentig sicher sein. Wenn die Bombe erkannt ist und die Entscheidung gefallen, dass entschärft werden kann, geht es an die Umsetzung. Bei einem Langzeitzünder sind nur wir vor Ort. Das ist zu gefährlich.“ Entweder wird dann der Zünder aus der Bombe geschnitten oder die Bombe wird sprengtechnisch entschärft. Der KRD in Hamburg hat dazu eine Hochdruckwasserschneidanlage, die einen Wasserstrahl mit 2 400 Bar produziert. Diese Anlage haben die Experten vom KRD so modifiziert, dass sie speziell an ihre Bedürfnisse zum Entschärfen angepasst ist.

Eine Bombe komplett zu sprengen ist die letzte Möglichkeit. Die frei werdende Energie ist extrem hoch. Liegt die Bombe im Erdreich, kann der sich über das Grundwasser ausbreitende Druck Häuser und andere Bauwerke, beispielsweise U-Bahn-Tunnel, in der Umgebung beschädigen. Zudem sind die Absicherung der Sprengung und die Evakuierung der Gegend sehr aufwendig. Doch weil die Zünder mit den Jahren immer gefährlicher werden, müssten in Zukunft immer mehr Bomben kontrolliert gesprengt werden, hatte Peter Bodes schon vor einigen Jahren in einem Fernsehbericht gesagt.

Lebensgefahr wird schlecht bezahlt

Die Bezahlung für den gefährlichen Job ist den Beschäftigten schon lange ein Ärgernis. Sie ist viel zu niedrig und variiert von Bundesland zu Bundesland. 16 Kampfmittelräumdienste gibt es, einen bei der Feuerwehr, einige bei der Polizei, andere sind an Verwaltungsstellen angedockt. Unter den Arbeitenden gibt es Beamte und Tarifbeschäftigte. Es gibt neun Tarifverträge, unterschiedliche Aufgaben und Kompetenzen. Etwa in Bayern und Thüringen gibt es keinen staatlichen Kampfmittelräumdienst mehr. Dort erledigen private Unternehmen die Arbeit. Oft führt das zu Mängeln bei der Sicherheit oder beim Arbeitsschutz, hört man.

Warten auf den Abtransport: Diese Kampfmittel entschärften die Spezialisten alleine 2017

Während in anderen Bundesländern nur die Sprengmeister Entschärfungen durchführen und die anderen im Team, die Truppführer, eher Sicherungs- und Transporttätigkeiten ausführen, die Entschärfung vorbereiten, gilt in Hamburg, dass im Prinzip jeder jeden ersetzen können muss. Die Tätigkeiten sind umfassend, immer neue kommen dazu. Das reicht vom tatsächlichen Entschärfen über Fachschulungen bis zum Durchführen von Ordnungswidrigkeitsverfahren.

Info: Auszug aus der Kampfmittelverordnung

„Vor Beginn baulicher Maßnahmen, die mit Eingriffen in den Baugrund verbunden sind, ist die Grundstückseigentümerin oder der Grundstückseigentümer […] verpflichtet, bei der zuständigen Behörde eine Auskunft einzuholen, ob für den betroffenen Baubereich ein konkreter Verdacht auf Kampfmittel besteht.“ (KampfmittelVO, § 6 Abs. 1)

„Wenn ich auf meinen Gehaltszettel gucke, dann weiß ich, was ein Menschenleben wert ist“, sagt Kowalzik. Die Gefahrenzulage ist seit 20 Jahren nicht erhöht worden. Sie liegt bei 600 Euro brutto im Monat. Die Arbeit sei phasenweise extrem stressig. So viele Überstunden wie beispielsweise die Kollegen bei Polizei und Feuerwehr schiebe er zwar nicht vor sich her – Wir werden unterbrochen von einem durchdringenden Piepton. Alarm, etwas wurde gefunden. „Aber zwei von uns sind immer in Bereitschaft“, erklärt Kowalzik. 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Beispielsweise die Deutsche Bahn habe viele Nachtbaustellen, und einer Bombe sei es egal, wann und wo sie gefunden wird. Ein erneutes Piepen: „Ein Kollege fährt den Einsatz.“ Das Gespräch kann weitergehen.

Messerscharf und bis zu einem Meter lang – Bombensplitter

Dass der Job so gering entlohnt und so stressig ist, ist auch ein Grund, weshalb die Kampfmittelräumdienste Nachwuchssorgen plagen. Der letzte Auszubildende in Hamburg ist nach einigen Wochen wieder zur Bundeswehr zurückgegangen. Das ist nicht anders als anderswo im öffentlichen Dienst. Ein Problem, vor dem der  Deutsche Beamtenbund (dbb) seit Jahren warnt. Im Wettbewerb um die besten Köpfe verliert der öffentliche Dienst nach 
den jahrelangen Spar- und Kürzungsorgien.

Hoffen auf das 
Tarifergebnis

Die erste Runde der Tarifverhandlungen für einen Flächentarifvertrag für die Kampfmittelräumdienste Mitte Juli ist dem Vernehmen nach akzeptabel gestartet. „Auch die TdL ist der Meinung, dass wir das existierende Stückwerk so nicht fortsetzen wollen“, sagt Soo Maximilian Hahn. Er ist Referent im Geschäftsbereich Tarif in der dbb Bundesgeschäftsstelle und Verhandlungsführer des dbb für die Gespräche mit der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL).

Info: Tarifverhandlungen für Kampfmittelräumer gestartet

Beim Auftakttermin zur Verhandlung eines bundesweit einheitlichen Flächentarifvertrags für die Beschäftigten im Kampfmittelräumdienst hat der dbb den Vertretern der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) am 11. Juli 2017 seine Forderungen präsentiert. Der Forderung nach einem Flächentarifvertrag stehen die Arbeitgeber grundsätzlich offen gegenüber. Der dbb will ein bundesweit einheitliches Tarifniveau für alle Beschäftigten 
im Kampfmittelräumdienst etablieren. Weiter sieht der dbb Handlungsbedarf bei der Eingruppierung nach Tätigkeitsmerkmalen und der Durchlässigkeit der Entgeltgruppen.

Der Forderungskatalog des dbb beinhaltet ein überarbeitetes Eingruppierungsschema für alle Beschäftigten, beginnend bei der EG 5 bis zur EG 13, eine Erhöhung der Gefahrenzulage auf 1 250 Euro, die Abkopplung der momentan praktizierten Abstufung der Gefahrenzulage nach Arbeitsstunden im unmittelbaren Gefahrengebiet, eine Sonderprämie für außergewöhnliche Gefahrenmomente in Höhe von 800 Euro je Ereignis sowie die Dynamisierung sämtlicher Zulagen.

Bis zum nächsten Verhandlungstermin am 24. Oktober 2017 wird der dbb mit Mitgliedern der Verhandlungskommission ein fachgemäßes Eingruppierungsschema mit den jeweiligen Tätigkeitsmerkmalen entwerfen. Entscheidend dabei ist es, die Tätigkeit jedes Beschäftigten richtig zu erfassen und zu entlohnen.

Vom angestrebten Flächentarifvertrag erhofft sich Peter Bodes, dass die Vielzahl an unterschiedlichen Regelungen endlich homogenisiert werden und alle Beschäftigten unter dem Dach eines Tarifvertrages arbeiten. Doch Bodes, der mit gut 30 Dienstjahren einer der erfahrensten Sprengmeister Deutschlands ist, äußert Skepsis. „Ich bin ganz ehrlich“, sagt er, „ich weiß gar nicht, ob diese Vereinheitlichung machbar ist.“ Zu unterschiedlich seien die Bedingungen und zu unterschiedlich das, was die einzelnen Behörden fordern. Den Job des Entschärfers, der Kampfmittel „delaborieren“ darf, gibt es in anderen Bundesländern nicht. Da gibt es beispielsweise Räumhelfer; Ungelernte, die für wenig Geld Bomben freilegen und alles für die Entschärfung vorbereiten, die alleinig vom Sprengmeister durchgeführt werden darf. Überdies sei es nach Ansicht von einigen Vertretern der Arbeitgeberseite den „Studierten“ vorbehalten, nach Entgeltgruppe  10 und höher bezahlt zu werden, ergänzt Kowalzik.

Peter Bodes, Leiter des Hamburger Kampfmittelräumdienstes

dbb Verhandlungsführer Hahn kennt diese Schwierigkeiten. „Prinzipiell ist das aber kein Problem“, so Hahn. „Wir müssen es hinbekommen, die Tätigkeiten unterschiedlich zu bewerten, und vermutlich muss dafür die Nomenklatura überarbeitet werden.“ Heißt vereinfacht: Die Berufsbezeichnung der Kollegen in Hamburg ist „Entschärfer“, beispielsweise in Brandenburg heißen sie „Truppführer“. Dabei könnte es sich dann nach der Überarbeitung um unterschiedliche Berufe mit abweichenden Merkmalen und Aufgabengebieten handeln. Dann wäre auch die unterschiedliche Eingruppierung kein Problem. Den Eingruppierungsvorschlag der TdL vom Juli hat Hahn noch im August mit seinen Kollegen in der Verhandlungskommission bewertet (Das Ergebnis stand zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest). „Wir wollen noch in diesem Jahr einen Abschluss erreichen“, sagt Hahn. Die Chancen stünden gut. „Erstens ist das angemessen und zweitens reden 
wir von insgesamt rund 330 Beschäftigten, die neu eingruppiert werden müssen. Das wird kein Bundesland in den Ruin treiben“, sagt ver.di-Verhandlungsführer Hardy Liebrich.

In einem Extragebäude auf dem Gelände des Bunkers lagern Phosphorbrandbomben in luftdichten Fässern.

Dass ein guter Abschluss erreicht wird, ist dringend nötig, meint André Kowalzik. Die Tarifabschlüsse der letzten Jahre hätten, was die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsverdichtung angeht, oft Verschlechterungen gebracht. 
Er ist Gewerkschaftsmitglied seit er beim KRD arbeitet. „Gewerkschaften sind sinnvoll und wichtig, aber wenn bei diesen Tarifverhandlungen wieder nichts herauskommt, dann brauche ich auch keine Gewerkschaft mehr“, sagt er und wird noch deutlicher: 
„Die Entlohnung wird unseren komplexen Aufgaben nicht gerecht.“

Wir sitzen im Auto auf dem Rückweg vom Bunker zur Dienststelle in Hamburg-Harburg, dem Sitz des KRD. Am meisten Spaß bringe die professionelle Zusammenarbeit mit den Kollegen, sagt André Kowalzik. Der Job sei zudem sehr abwechslungsreich. Auf der anderen Seite stehen die Arbeitsverdichtung und der Papierkram. Er hält inne, blickt nachdenklich auf die Straße vor uns. „Da bleibt irgendwann Arbeit liegen, und das ist auch das, was uns den Spaß am Job nimmt.“

Quelle: https://dbb.de/fileadmin/epaper/dbb_magazin_17_09/